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Home » News » Blutgerinnungsstörungen bei Frauen: Warum sie oft übersehen werden
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Blutgerinnungsstörungen betreffen nicht nur Männer. Dennoch wurden Frauen und Mädchen lange weniger beachtet. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay erklärt, warum Blutungsneigungen bei Frauen häufig unerkannt bleiben – und weshalb es Zeit für einen Perspektivwechsel ist.

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay, Leiter Hämophilie-Ambulanz, Leiter Programmdirektionen für Thrombophilie und Hämophilie, Leiter Thrombosis and Haemostasis Research Group, Medizinische Universität Wien

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Cihan Ay

© ZVG

Facharzt für Innere Medizin sowie für Hämatologie und internistische Onkologie,
Leiter Hämophilieambulanz, Leiter Programmdirektionen für Thrombophilie und Hämophilie, Leiter Thrombosis and Haemostasis Research Group,
Medizinische Universität Wien

Frauen sind nicht nur „Überträgerinnen“

Dass Blutgerinnungsstörungen bei Frauen lange weniger Aufmerksamkeit bekamen, hat laut Prof. Ay unter anderem historische Gründe. Bei Hämophilie treten schwere Formen überwiegend bei Männern auf. Die medizinische Versorgung konzentrierte sich daher lange auf diese Gruppe – Frauen mit der genetischen Veränderung galten vor allem als gesunde „Überträgerinnen“.

Doch dieses Bild greift zu kurz: Auch Frauen können deutlich erniedrigte Faktorspiegel aufweisen und nach heutiger Definition selbst die Diagnose Hämophilie erhalten oder eine relevante Blutungsneigung zeigen – sogar bei normalen Faktorwerten.

Hämophilie ist außerdem nur ein Teil des Spektrums. Auch die Von-Willebrand-Erkrankung sowie seltene angeborene Mängel einzelner Gerinnungsfaktoren können Frauen betreffen.

Warum Blutungsstörungen bei Frauen übersehen werden

Ein entscheidendes Problem sieht Prof. Ay darin, dass auffällige Blutungen häufig als normal wahrgenommen werden. Gerade Menstruation, Schwangerschaft und Geburt können eine zuvor unerkannte Blutgerinnungsstörung erstmals sichtbar machen.

„Verstärkte Regelblutungen, Blutungen nach Geburten, häufiges Nasenbluten oder ausgeprägte Blutergüsse werden von Betroffenen, Familien und auch Ärztinnen und Ärzten oft als Normvariante beurteilt statt als Zeichen einer Blutgerinnungsstörung.“

Auch Zahnfleischbluten, große Hämatome oder verlängerte Blutungen nach Verletzungen und Eingriffen können laut Prof. Ay wichtige Hinweise sein.

NÜTZLICHES  WISSEN 
Die Blutgerinnung ist lebenswichtig, um Verletzungen schnell zu verschließen und den Körper vor gefährlichem Blutverlust zu schützen. Es gibt 13 Hauptfaktoren, die traditionell mit den römischen Zahlen I bis XIII durchnummeriert sind. Im gesunden Zustand zirkulieren sie inaktiv im Körper, damit das Blut flüssig bleibt. Bei einer Wunde aktivieren sie sich gegenseitig wie bei einer Reihe umfallender Dominosteine, bis ein stabiles Fibrin-Netz die Verletzung dauerhaft abdichtet.

Zeit für einen Perspektivwechsel

Nachholbedarf gibt es auch in der Forschung. Frauen und Mädchen waren in Studien lange unterrepräsentiert. Besonders bei Hämophilie wurden Studien traditionell überwiegend mit schwer betroffenen Männern durchgeführt.

Prof. Ay betont, dass wir deshalb über die Behandlung von Frauen heute weniger wissen, als wir sollten – etwa darüber, wie sich ihre Blutungsneigung über verschiedene Lebensphasen verändert oder welche Therapie den größten Nutzen bringt.

Gleichzeitig bewegt sich etwas: Internationale Fachgesellschaften etablieren die Versorgung von Frauen und Mädchen mit Blutgerinnungsstörungen zunehmend als eigenständiges Thema.

„Ein Perspektivenwechsel ist notwendig, um Frauen und Mädchen mit Blutgerinnungsstörungen sichtbarer zu machen und ihre Versorgung zu verbessern.“

Spezialisierte Anlaufstellen finden

Einen Überblick über Behandlungszentren in Österreich bietet die Österreichische Hämophilie Gesellschaft.

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