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Autoimmunerkrankungen

Lupus – Wolfsröte oder wenn der Wolf aktiv wird

Lupus – Wolfsröte
Lupus – Wolfsröte
iStock/blueringmedia

Die Krankheit Lupus gehört zur Gruppe der Kollagenosen (Bindegewebsentzündungen) und ist eine außerordentlich komplexe Autoimmunerkrankung, bei der es zu sehr unterschiedlichen Organbeteiligungen kommen kann. Er hat extrem facettenreiche Manifestationen von harmlosen bis lebensbedrohlichen Verlaufsformen, wie Priv.-Doz. Dr. Herwig Pieringer (AKH Linz), Leiter der Berufsständischen Sektion der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, weiß.

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Priv.-Doz. Dr. Herwig Pieringe

Leiter der Berufsständischen Sektion der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation

Welche Krankheitsformen des Lupus werden unterschieden?

Die Rheumatologen behandeln den systemischen Lupus erythematodes (SLE), von dem praktisch alle Organe befallen und schwer geschädigt werden können. Aber es gibt auch verschiedene Formen die  sowohl im Rahmen einer Systemerkrankung als auch isoliert auf der Haut auftauchen, wie z.B. der chronisch diskoide Lupus erythematodes (CDLE).

Stehen Hautmanifestationen im Vordergrund, was bei manchen Erkrankungsformen häufig ist, so werden die Patienten oft in erster Linie vom Dermatologen behandelt. Eine Sonderform stellt der neonatale Lupus erythematodes, der Kinder von SLE-kranken Müttern betreffen kann, dar.

Wann tritt Lupus auf, wann kann man sich als gefährdet betrachten?

Es gibt konstitutionelle Symptome, wie erhöhte Temperatur oder unerklärliches Fieber, möglicherweise Arthralgien (Gelenksschmerzen) oder eine Sonnenlichtempfindlichkeit. Sehr typisch ist auch die sogenannte „Kollagenosenschlappheit“, ein Zustand von unerklärlicher Mattigkeit (engl „fatigue“). Daneben deuten tatsächlich organspezifische Symptome, wie z.B. vergrößerte Lymphknoten, eine Thrombose, Lungenembolie oder auch Blutbildveränderungen wie z.B. eine Anämie (Blutarmut) oder Thrombopenie, also zuwenig Blutplättchen, auf die Erkrankung hin.

Oder aber man findet Eiweiße sowie Blut im Harn und entdeckt so eine Nierenbeteiligung. Bei anderen Patienten sind das zentrale oder periphere Nervensystem betroffen, bei wieder anderen Herz oder Lunge. Alle denkbaren Kombinationen sind prinzipiell möglich. Die initiale Symptomatik kann also sehr unterschiedlich und vielschichtig sein.

Gibt es keine spezifischeren Zeichen?

Oft hilft das Labor bei der Diagnose entscheidend weiter. Wichtig sind die sogenannten ANA (Antinukleäre Antikörper) sowie die ds-DNA-Antikörper. Dabei handelt es sich um immunologische Parameter, die bei fast allen betroffenen Patienten nachgewiesen werden können. Bei den ANAs gibt es noch weitere Unterteilungen. Je nachdem, welche Unterform vorliegt, kann es ein Zeichen eines SLE  darstellen oder auch als Hinweis auf eine andere Kollagenose zu sehen sein.

Bei der isolierten Interpretation der Werte muss man aber vorsichtig sein, denn ANAs können auch bei Gesunden vorkommen und völlig ohne Krankheitswert sein. Das Labor alleine macht also nicht krank. Im  Blut gibt es außerdem Parameter, die auf eine Aktivität des Lupus hinweisen können: Bei einem aktiven SLE findet man typischerweise einen sogenannten Komplement-Verbrauch – das sind Faktoren, die zum Komplementsystem gehören.

Diese Werte können im Labor erniedrigt sein und das ist dann kompatibel mit einem aktiven Lupus. Manchmal sind auch die weißen Blutkörperchen (in erster Linie die Lymphozyten) verringert.

Was sind psychosoziale Folgen von Lupus?

PatientInnen müssen sich darauf einstellen, eine chronische Erkrankung zu haben und damit natürlich erst einmal damit zurechtkommen. Dafür ist in aller Regel eine dauerhafte Therapie notwendig, für welche die Compliance des Patienten sehr wichtig ist. Manchmal fällt es Patienten schwer zu akzeptieren, dass nun dauerhaft eine Therapie nötig ist, sodass Therapieverordnungen des behandelnden Arztes nicht wirksam werden können.

Es ist oft eine Herausforderung im Alltag, regelmäßig Medikamente einzunehmen, um diese Erkrankung wirksam in Schach zu halten. Auch die Furcht vor Nebenwirkungen, z.B. bei kortisonhaltigen Medikamenten, kann dazu führen, dass die Medikamenteneinahme für den Patienten schwierig ist.

Sogenannte Basistherapeutika wie Quensyl, Resochin, Methotrexat oder auch gewisse Immunsuppressiva helfen, die Erkrankungsaktivität zu reduzieren und auch Kortison einzusparen, erfordern aber auch regelmäßige Kontrollen bezüglich der Nebenwirkungen ca. alle drei Monate.

Häufigkeit der Symptome bei SLE90% – Fieber, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Arthralgien (morgendliche Schmerzen der Gelenke), Arthritis (Schwellung der Gelenke) mit Luxationsarthropie (Verformungen der Gelenke) und Tenosynovitis (Sehnenscheiden) 

  • 70% Vaskulitis (Entzündungen der kleinen Gefäße der Haut), Mundschleimhautentzündungen 
  • 50% Schmetterlingserythem, Lymphadenogadie (Lymphknotenvergrößerung), Raynaud-Syndrom (Gefäßspasmus der Fingergefäße) 
  • 47% Magen-Darm-Beschwerden 
  • 40% kreisrunder, irreversibler Haarausfall 
  • 37% Pleuritis (Entzündung des Rippenfells mit starken atemabhängigen Schmerzen der Thorax) 
  • 35% Lupusnephritis (Nierenbeteiligung) 
  • 30% Leberbeteiligung, Neurologische Symptome 
  • 29% Perikarditis (Herzbeutelentzündung) 
  • 17% Lungenbeteiligung 
  • 4% Bauchspeicheldrüsenentzündung, Herzmuskelentzündung, Muskelentzündung

Quelle: www.klinikum.uni-heidelberg.de

Prominente mit Lupus

Lady Gaga und Toni Braxton wurde Lupus diagnostiziert, auch Michael Jackson soll unter anderem daran gelitten haben – es gibt eine Menge prominenter Personen mit Lupus. Heidi Klums Ex-Ehemann Sänger Seal begleitet die Krankheit seit seiner Jugend, die Narben auf seinem Gesicht sprechen davon Bände.

Mary Elizabeth McDonough alias Jean Tworney aus „Emergency Room“ macht dagegen ihre Silikon-Implantate für den Ausbruch der Lupus-Krankheit verantwortlich. Die Britin Lucy O‘Donnell, die die Beatles zu ihrem Welthit „Lucy in the sky with diamonds“ inspirierte, verstarb 2009 an Lupus. Sie wurde 46 Jahre alt.
 
Auch die Schwester von Backstreet Boy Howard Dorough, Caroline Dorough-Cochran, starb 1998 an Lupus. „Howie“ gründete daraufhin die Dorough Lupus Foundation, kurz DLF, die sich auf Spendenbasis der Erforschung und Behandlung dieser Krankheit sowie entsprechender Aufklärungsarbeit widmet. Als ein enthusiastischer Fan, der jedoch an Meningitis erkrankt war, Jazzsängerin Teddi (Theodora) King nach Ende eines Konzerts in North Carolina küsste, verstarb sie 1977 zwei Tage später. Ihr Immunsystem war geschwächt durch Lupus. 

Und Michael Wayne, Sohn von Western Legende John Wayne, starb 2003 an Herzversagen, was im Zusammenhang mit seiner Lupus Krankheit stehen soll. Auch die berühmte Hollywood-Schauspielerin Ava Gardner soll an der Auto-Immunerkrankung gelitten haben.

SIMONE WELK[email protected]

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