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Autoimmunerkrankungen

Immunglobuline: Errungenschaft und Achillesferse

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Photo: Kiryl Lis via shutterstock
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Univ. Prof. Dr. Hermann Wolf

Facharzt für Immunologie

Immunglobuline sind für die Therapie verschiedener seltener Erkrankungen wichtig. Univ.-Prof. Dr. Hermann Wolf erklärt, warum.

Was sind Immunglobuline? 

Immunglobuline sind einfach gesagt Antikörper gegen Infektionen und damit ein wichtiger Abwehrmechanismus des Körpers. Das ist einerseits unsere größte evolutionäre Errungenschaft, aber andererseits auch unsere Achillesferse, da es Menschen gibt, die etwa durch eine genetisch bedingte Abwehrschwache oder durch eine Grunderkrankung wie Krebs oder immunsuppressive Therapien Probleme mit der Antikörperbildung haben.

Immunglobuline werden von Plasmazellen produziert. Was kann man sich unter Plasma vorstellen? 

Plasma ist die Flüssigkeit und der nicht zellulare Anteil des Blutes. Im Blutplasma sind viele Eiweißstoffe enthalten, mit deren Isolierung sich die Medizin und Pharmazie seit vielen Jahrzehnten beschäftigt. Denn aus diesen Plasmaproteinen können Medikamente zur Behandlung von verschiedensten – auch seltenen — Erkrankungen hergestellt werden.

Für welche Krankheitsbilder sind diese Arzneimittel geeignet? 

Aus von gesunden Menschen gespendetem Plasma können Immunglobuline herausgefiltert und erkrankten Menschen verabreicht werden. Ich beschäftige mich vor allem mit seltenen Erkrankungen des Immunsystems und Patient(inn)en, die einen zumeist genetischen Defekt in ihrem Immunsystem aufweisen und daher Antikörper benötigen. In der Therapie ersetzt man dabei regelmäßig die fehlenden Antikörper entweder intravenös hier bei uns in der Immunologischen Tagesklinik oder subkutan in kleinen Portionen als Heimtherapie zu Hause. Etwa 60 bis 70 Prozent unserer Patient(inn)en wählen derzeit – auch Corona-bedingt — die Heimtherapie. Das schützt genauso wie die intravenöse Applikation. Es hangt aber immer davon ab, wie die Patient(inn)en die zumeist jahrelange Therapie am besten in ihr Leben integrieren können. 

Gibt es Alternativen zum sehr einzigartigen Rohstoff Blutplasma? Könnte man diesen auch anders herstellen? 

Das wurde bereits für Produkte in der Behandlung von Blutgerinnungsstörungen mit Vor- und Nachteilen versucht, aber für die Immunglobuline ist das undenkbar. Denn jeder Mensch kann etwa 108 verschiedene Antikörper bilden. Das ist eine unglaubliche Vielfalt, die durch eine Durchmischung von vielen tausenden Plasmaspenden noch vergr6éfert wird. In dieser Vielfalt kann man das auch mit der besten Technologie nicht nachbauen – vor allem nicht mit einem vernünftigen Kostenaufwand. Allerdings ist der Nachschub an Plasmaspenden leider nicht unlimitiert. Daher müssen wir Plasmaspender(inne)n unendlich dankbar sein, dass sie den kostbaren Rohstoff regelmäßig spenden!

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DI Karl-Heinz Hofbauer, Leiter der Takeda Produktionsstandorte in Wien

Wir sind stolz darauf, Menschen im Zentrum von all dem, was wir tun, zu haben. »Von Vene zu Vene« —beginnend mit unseren Spendern, die ihr Plasma spenden, über unsere Mitarbeiter, die das wertvolle Rohmaterial in viele unterschiedliche lebensrettende Produkte verarbeiten. Bei Takeda Wien, einer der größten Plasmafraktionierungsanlagen der Welt, werden im Jahr über 3,5 Millionen Liter Plasma zu lebensrettenden Medikamenten verarbeitet.

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